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Eine leere Stadt

20. April 2020

Von Ines Weinzierl // „Ach wie einsam ist die früher so lebendige Stadt…“

Dieser Satz klingt wie aus einem aktuellen Nachrichtenmagazin und könnte aktuell auf viele Städte weltweit angewendet werden. Auch in Frankfurt sehen und spüren wir jeden Tag eine ungewohnte Leere und Einsamkeit.

Tatsächlich ist diese Aussage aber gut 2500 Jahre alt. Sie stammt sehr wahrscheinlich von dem Propheten Jeremia und beschreibt das zerstörte Jerusalem. Freilich, der Anlass wie es zu den jeweiligen Situationen kam, ist ein anderer. Die aktuelle ist, denke ich, jedem hinreichend bekannt. Damals hingegen hatten die Könige und Menschen Judas über Jahre Gott und seine Gebote ignoriert. Die warnenden Propheten wurden ignoriert. Das babylonische Reich nahm Jerusalem ein, der Großteil der Bevölkerung wurde in die Gefangenschaft abgeführt, im zerstörten Jerusalem und dem Land Juda blieb nur noch ein kleiner Rest Menschen, die dort ein kärgliches Leben fristeten. Die Menschen verloren völlig die Kontrolle über ihr Leben. Das wiederum dürfte uns allen sehr bekannt vorkommen. Wir können nichts mehr planen, ständig kommen neue Änderungen und Einschränkungen, schöne Ereignisse wie Hochzeiten, Urlaube, Events müssen storniert werden, viele begleitet gesundheitliche und/oder wirtschaftliche Unsicherheit. Unser durchgetacktes Leben ist reichlich aus dem Takt gekommen.

Leere Stadt

Wie ging nun Jeremia im Buch der Klagelieder mit der Situation um? Zwei Dinge können wir von ihm lernen:

  1. 1. Seine ganze Verzweiflung, Trauer und Wut durchlebt er. Er lässt sie zu und er bringt sie zu dem, der weiß, wie es uns geht und es trotzdem gerne auch nochmal persönlich von uns hört. Wenn wir die Bibel lesen, sehen wir, dass eigentlich alle der großen ‚Glaubenshelden‘ irgendwann mal eine ziemliche Krise hatten. Da war nicht immer nur alles Halleluja! Aber die ganzen Jeremias, Davids, Moses, Elias, Marthas und Marias heulten ihren ganzen Kummer Gott vor. Er freut sich, wenn wir unseren emotionalen Ballast bei ihm abladen. „Weine laut vor dem Herrn, … schrei in der Nacht zu Beginn jeder Nachtwache. Schütte dem Herrn dein Herz aus“ heißt es nicht umsonst in Kapitel 2, 18 und 19.  (Das mit dem nächtlichen Schreien… ihr wisst ja selbst wie eure Nachbarn so drauf sind.)
     

  2. 2. Jeremia bleibt dort nicht stehen. Das Kapitel 3 beschreibt Gottes Charakter und enthält wunderbare kraftvolle Zusagen für uns Menschen. „Die Gnade des Herrn nimmt kein Ende, sein Erbarmen hört nie auf, jeden Morgen ist es neu. Groß ist seine Treue.“ (V. 22)
    Es stehen noch mehr so coole Verse in dem Abschnitt. Am besten – lest sie einfach selber, (man kann übrigens auch gleich das ganze Buch lesen, sind nur 5 Kapitel ;-)) lest sie euch laut vor, rezitiert sie, meditiert darüber, betet sie, schickt sie jemanden, lasst sie euch auf der Zunge zergehen.

Denn das ist die Wahrheit: Egal ob unser ganzes Leben gerade upside down ist – Gott ist Gnade und Treue und Erbarmen!

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